Warum mir die Kamera (fast) egal ist

Eigentlich sollte ich als Teilnehmer der Blogparade „Gibt es dank Smartphones & Systemkameras bald keine DSLRs mehr?“ nun in die Glaskugel schauen und Euch mitteilen, in welche Richtung die Technik sich entwickeln wird. Sind Systemkameras und Smartphone-Fotografie unsere Zukunft? „Abrakadabra, ich sehe dunkle Wolken am Himmel der Spiegelreflexkameras…im Jahre 2030 wird die Spiegelreflexkamera nur noch ein armseliges Dasein fristen, alle rennen mit Google-Brille auf der Nase herum und betätigen den Auslöser, indem sie mit dem Auge blinzeln.“ Nun mal im Ernst. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte das Thema absolut nicht ins Lächerliche ziehen, es kann durchaus relevant sein, sich damit zu beschäftigen, wohin die Fotografie-Reise zukünftig geht. Und viele (Hobby-)Fotografen stehen möglicherweise vor der Frage, in welche Technologie sie langfristig investieren sollen, um auf der sicheren Seite zu sein. ABER…

Hier kommen ein paar Hard Facts

Deine (meine) Kamera (egal welche) taugt nicht viel. Das ist die bittere Wahrheit.
Sie bildet nur das ab, was du ihr gerade so vor den Sucher schiebst. Das sollten wir uns immer wieder klarmachen.
Es entstehen heute schon wahnsinnig beeindruckende Fotos mit Smartphone-Kameras (selbst Stockagenturen wie Fotolia verfügen schon über riesige Bilddatenbanken der Smartphone-Fotografie (Instant Collection). Vielen Fotos sieht man es qualitativ nicht an, dass sie mit dem Smartphone oder der Systemkamera gemacht wurden. Wann man welche Kamera zur Hand nimmt, hängt mehr vom Bildgenre und von der Situation ab. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass die reine Studiofotografie mit mehreren Lichteffekten, Blitzen etc. weiterhin ausschließlich ein Thema für die Spiegelreflexfotografie bleiben wird. Aber es ist in den seltensten Fällen die Kamera, die die Katze hinter dem Ofen hervorlockt. Was uns bei Fotos beeindruckt sind zu 80-90%  die Ideen, die das Foto entstehen ließen, das Konzept, der Grundgedanke. Sicher, die Megapixel sind wichtig, um auch im Großformat scharfe Bilder zu erhalten, aber hier ziehen sehr viele Kameras am gleichen Strang. Das neue Sony Xperia Z3 Smartphone hat beispielsweise eine 20,7 Megapixel-Kamera, genauso wie die Sony Alpha 5000 Systemkamera und z.B. die Spiegelreflex Canon EOS 70D.

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Wie kommt es beispielsweise, dass der Fotograf Ansel Adams in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts Fotos gemacht hat, die bis heute kein Fotograf in der gleichen Qualität nachahmen konnte? Immer wieder haben es Fotografen vom exakt gleichen Standpunkt aus versucht, mit allem möglichen modernen Kamera-Equipment bestückt. Die Ergebnisse kommen seinen zwar sehr nahe, sind aber bisher unerreicht. Ansel Adams hatte das gewisse Etwas, das über das bloße Knowhow und über die Technik hinausgeht. Der wichtigste Teil der Kamera ist eben immer noch der Kopf dahinter.

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Was hat dem Schriftsteller der Umstieg von Schreibmaschine auf Computer gebracht? Der Rechner unterstützt ihn beim Schreiben, korrigiert ihm die Rechtschreibung, bietet Formulierungsvorschläge, formatiert seinen Roman und macht ihn so leserlicher, unterstützt den Autor in jedweder Hinsicht – aber die Idee für die Handlung muss nach wie vor vom Schriftsteller selber kommen (es sei denn man begnügt sich mit einer billigen Kopie).

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Mein Resümee zur Frage der richtigen Kamera

Gibt es dank Smartphone und Systemkameras bald gar keine Spiegelreflexkameras mehr?

Lieber Fabian, ich kann die Frage nicht beantworten und bestenfalls herumunken. Ich besitze eine DSLR und ein Smartphone und gedenke auf dieser Schiene noch ein paar Jahre weiterzumachen. Ich könnte mir zukünftig noch eine Vollformatkamera für mich vorstellen, denn ich arbeite gerne mit geringer Tiefenschärfe für die Bildgestaltung. Wenn sich Systemkameras immer mehr durchsetzen sollten, werde ich ganz pragmatisch und ohne Nostalgie auf die neue Technologie umsteigen. Ich denke, um die Entscheidung „weg von der DSLR hin zur Systemkamera“ treffen zu können, muss man wirklich ein paar Tage mit beiden Kameras herumhantieren, ausprobieren und vergleichen.

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Zur Zeit jedenfalls stecke ich eher wenig Zeit und Geld in die Ausrüstung und um so mehr Zeit und Mühe ins „Kreative-Sehen- lernen“ und in die eigentliche Bildrealisierung.

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