Wie funktioniert Minimalismus in der Fotografie

Ein Hobby-Fotograf aus Australien äußerte sich kürzlich in einer Foto-Community dahingehend, dass er nicht wisse, was er fotografieren solle, da die ländliche Gegend, in der er wohnt, so „leer“ sei. Ich musste beim Lesen ein wenig schmunzeln, denn nicht wenige Abenteurer und Australienliebhaber gäben viel darum, gerade in diese beliebte Region Australiens zu reisen. Ich riet ihm, aus der Not eine Tugend zu machen und minimalistisch zu fotografieren.

 

piano minimalistic

Was heißt Minimalismus in der Fotografie und Bildgestaltung?

Die Hauptidee von Minimalismus ist die Beschränkung auf nur wenige Elemente. Das kann beispielsweise funktionieren, wenn man

  • nur einen bestimmten Ausschnitt eines Ganzen darstellt,
  • sich auf die Darstellung geometrischer Formen und Mustern beschränkt
  • kleine, filigrane Objekte in Bezug auf die Gesamtfläche zeigt oder
  • Details ausblendet

 

 

Was geschieht in unserem Kopf, wenn wir minimalistische Bilder sehen?

Leicht könnte man annehmen, dass dieser Fotostil etwas für mittelmäßige und schnelle Lösungen sein könnte, so nach dem Motto: „Naja, es ist ja nicht viel auf dem Bild drauf“. Doch weit gefehlt. Das Ziel des Minimalismus in der Fotografie ist es, ein Bild so schlicht zu fotografieren, dass dem Betrachter genügend Raum für eigene Interpretationen gegeben wird.

 

 

Tipps für den Minimalismus in der Fotografie

  • Wähle dein Hauptmotiv so aus, dass es das Bild dominiert, markant und kontrastreich ist.
  • Verwende die Zoomfunktion deiner Kamera, um Details um dein Hauptmotiv herum auszublenden.
  • Minimalistische Bilder müssen nicht unbedingt Schwarz-/Weiß-Aufnahmen sein. Aber die Reduzierung auf Grautöne oder S/W hilft dabei, eine größtmögliche Einfachheit zu erreichen.
  • Spiele mit Licht und Schatten, mit Übergängen und Kontrasten
  • Spiele mit der Tiefenschärfe. Sie verleiht deinem Hauptmotiv die entsprechende Würde und Dominanz.
  • Eine kompett geöffnete Blende und die Fokussierung auf dein Hauptmotiv im Vordergrund bewirkt, dass Details im Hintergrund verschwimmen – ein oft gewollter Effekt bei einem minimalistischen Foto.
  • Oftmals lässt sich aus einem „normalen“ Foto im Nachhinein mit Bildbearbeitungssoftware ein minimalistisches Bild gestalten, indem man den Bildausschnitt weise wählt.
  •  Auch das Zeigen eines kleinen Objekts in einem Weitwinkelbereich kann ein für den Fotominimalismus optimales Raumgefühl vermitteln.

 

 

Minimalismus strebt nach Objektivität, schematischer Klarheit, Logik und Entpersönlichung. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, eigene Aufnahmen zu betrachten und sie so zu beschneiden, dass aus Ihnen eine minimalistische Aufnahme entsteht.

 

 

Wenn du das ein paar Mal gemacht hast, entwickelst du ein Gefühl dafür, was beim Fotografieren eines minimalistischen Bildes funktioniert und was nicht. Es ist auch absolut lehrreich, verschiedene Aufnahmen desselben Motivs mit unterschiedlichen Brennweiten und aus verschiedenen Winkeln zu machen und dann zu vergleichen. Schnell wirst du merken, welche Bilder du sofort aussortieren kannst und welches zu deinem Favorit wird.

 

 

(2) Kommentare

  1. Hey Nora, ein toller Artikel mit vielen guten Anregungen zur minimalistischen Fotografie!
    Ein Aspekt schwingt schon ein bisschen mit, ist aber noch nicht ganz klar benannt, finde ich: Wenn ich versuche minimalistisch zu fotografieren benutze ich oft sehr viel Weißraum. Das sorgt in Kombination mit einem reduzierten Bildinhalt für eine stärkere Fokussierung auf den wesentlichen Bildinhalt.
    Ein Extrembeispiel dafür sind wohl Produktfotos in Onlineshops. Dort wird der Weißraum ja sehr wörtlich genommen und ist, wie bei deinem Bild mit den Eicheln auch weiß. Allerdings ist weiße Farbe ja kein Muss für Weißraum ;-)

    • Hallo Kai, ja, das ist ein wichtiger Aspekt, den du ansprichst. Danke für den Nachtrag.:-)

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